Also ich bin in Dresden geboren und aufgewachsen und meine Eltern sind beide aus der Oberlausitz, also mein Vater aus Bischofswerda und meine Mutter aus der Nähe von Löbau aus dem Dorf. Genau, also deren Dialekte sind dann das Oberlausitzische und eben auch der Dialekt meiner Großeltern vor allem.
Meine Eltern haben mich eigentlich weitgehend dialektfrei erzogen. Also meine Mama war auch eine Stay-at-home Mom und ich glaube ich bin erst so relativ spät in den Kindergarten gegangen. Also vielleicht erst so mit vier oder fünf. Und zu Hause hat sie halt wirklich Hochdeutsch mit uns gesprochen und wollte auch nicht, dass wir uns den Dialekt angewöhnen. Meine kleine Schwester ist schon eher in den Kindergarten gekommen und sie hat zum Beispiel auch viel mehr dann angefangen zu sächseln, weil sie eben im Kindergarten mit den Kindern so gesprochen hat und es auch so gelernt hat dann dort. Es wurde so ein bisschen forciert, dass wir nicht so stark im Dialekt sprechen. Ich weiß nicht genau warum, ob sich vielleicht meine Eltern selber für ihren Dialekt schämen.
Jedenfalls, ich weiß noch mein Opa mütterlicherseits, also der aus der Nähe von Löbau, der hat komplett Oberlausitzisch gesprochen und wenn ich mit ihm telefoniert habe, habe ich ihn halt manchmal auch einfach nicht verstanden. Und ich fand es aber immer witzig sein Dialekt. Ich dachte mir so, ja was labert der, aber total auf eine lustige Weise. Und ich weiß nicht, ob ich ihm das jemals gesagt habe, wenn ich ihn nicht verstanden habe, ich glaube nicht.
Aber so ein Wort, was wirklich crazy ist, ist „Mauke“, also „Abernmauke“. Das ist Kartoffelbrei und ich weiß noch, dass ich halt auch einfach dachte, das heißt „Mauke“ normal und manchmal habe ich dann halt in der Schule oder so gesagt: „Ja, bitte wenig Mauke.“, weil ich mochte keinen Kartoffelbrei und dann habe ich halt trotzdem gleich viel „Mauke“ bekommen und dachte immer so, ja okay, dann halt nicht. Und dann irgendwann habe ich halt verstanden, dass andere nicht „Mauke“ dazu sagen und dass es halt ein Dialektwort ist, was halt in Dresden nicht benutzt wird.
Ja, mein Lieblingsdialekt-Wort, so aus dem normalen Sächsischen würde ich mal sagen, so grobes Sächsisch ist „Nu“ gewesen als Kind. Das hat halt eine Kindergärtnerin gesagt, die ich auch ziemlich bewundert habe. Sie war ultra hübsch und cool und dann dachte ich mir so, ja die sagt immer „Nu", das ist jetzt mein neues Lieblingswort.
Ja und sonst, in meinem alltäglichen Leben spreche ich glaube ich relativ dialektfrei. Ich weiß nicht, Sächsisch ist ja auch anscheinend ein Stück weit ein Soziolekt und ich glaube meine kleine Schwester ist auch auf die Mittelschule oder Realschule gegangen und sie hat auch ganz anders … war von anderen Leuten umgeben und so. Und sie meinte, dass ihr Sächsisch viel mehr begegnet. Und bei uns auf dem Gymnasium—meine Große und ich—wir haben das halt nicht so oft angetroffen auch. Also ich glaube es gab auch selbst im Studium maximal so ein, zwei Leute, die richtig alltäglich unverblümt gesächselt haben und die anderen haben es halt irgendwie unterdrückt oder waren gar nicht aus Sachsen oder so.
Also manchmal rede ich schon Sächsisch auch, weil ich es lustig finde. Aber ich glaube ich sage eher nur so Wortgruppen auf Sächsisch, weil so dieser generelle sächsische Sprachflow ist nicht so bei mir drin. Also ja das habe ich mir irgendwie nie angewöhnt. Aber zum Beispiel sage ich manchmal mit meinem Partner, der auch so ein Stück weit in der Oberlausitz verwurzelt ist, sagen wir manchmal, wenn wir los wollen „Kumm oack“. Das heißt „Los geht’s“, „Komm schon“, „Kumm oack“. Ich weiß nicht, ob ich das richtig sage, aber das ist halt das, was ich aufgeschnappt habe und irgendwie sagen wir das jetzt manchmal zueinander, was irgendwie voll lustig ist, weil wir beide nicht wirklich Dialekt sprechen und dann aber solche, ja, wie so kleine geheime Wörter aus der damaligen Zeit, die wir irgendwie beide kennen und die uns beide dann voll vertraut sind, aber die wir eben nie benutzen, sagen wir dann miteinander. Das finde ich eigentlich ganz süß.
Und ja, aber sonst, ich bin sehr froh, dass ich jetzt nicht total doll sächsel und das nicht abstellen kann. Also ich bin froh über das Hochdeutsch, das ich sprechen kann. Ja, ich finde das gut. Und ja klar, also ich wünschte, es wäre nicht so negativ behaftet, das Sächsisch generell oder das ist jetzt halt nicht das, wofür man sich schämt, aber ich glaube, dass schon auch halt dann ... also ja, ich weiß nicht, man sticht schon raus, wenn man Sächselt, finde ich, jetzt in der Bubble, in der ich unterwegs bin.
Aber ja, ich weiß nicht, wie ich es jetzt bei weiteren, späteren Generationen machen würde, ich glaube, ich würde die halt mit denen so sprechen, wie ich normal spreche und wenn sie jetzt aber in Berührung kommen mit Sächsisch in der Schule, im Kindergarten oder so im Freundeskreis, dann finde ich das voll okay und dann finde ich das auch süß und lustig, wenn sie sich ihre Lieblingswörter rausschnappen und so einen kleinen Mix sprechen. Genau, das find ich ganz toll.