Krissi

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⬤ 1997

⬤ Sächsisch

Nuja, nuja. Sächsisch, das ist es. Der gute sächsische Dialekt. Ne’ wunderbare Sache. Ich find’s richtig klasse.
An sich bin ich jetzt nicht damit direkt aufgewachsen. Also die Eltern, die sprechen eigentlich voll Hochdeutsch, ham vielleicht so’n paar Wörter, die eben hier so in der Region een bissl, naja, besondererer sind. Sowas wie die „Bemme“ oder die „Bäbe“ oder irgendsolche Sachen. Aber jetzt nie so richtig Sächsisch geredet. Das ist tatsächlich eigentlich bei mir nur gekommen, so hauptsächlich durch Freunde in der Schulzeit am Anfang und dann noch mal richtig verstärkt, als ich da nach Dresden gezogen bin. Und da beim Studium, da war’n so viele Leute, die Sächsisch geredet ham. Scho’ alleen, wenn der Dozent vorne steht und dann anfängt zu sächseln: „So, jädz mach’n ma hier ’ne Runde Mademadik und oab geht’s.“ So, da freut man sich natürlich und antwortet dann auf Sächsisch, nu. Das ist dann eben schon eine schöne Sache. Naja, so Wörter, Ausdrücke. Hab ich ein bisschen drüber nachgedacht. So richtig fällt mir da jetzt nix Cooles ein. Also ich find’s eben allgemein eigentlich ganz cool, wie sich’s eben anhört. Die Vokale, die sind eben das Besondere finde ich irgendwie, besonders das „a“, das „o“, das „u“. Es ist eben immer alles so dieses … ein bisschen, naja, wie könnte man sagen, verzerrt. Das „o“ und das dann eben das „ou“ „ouuuuu“. Oder das „i“ ist dann manchmal so „iuuu“. So diese verzerrten Vokale und die macht es irgendwie das Sächsische, finde ich, irgendwie so ganz, ganz lustig. So, und dann darf immer der „Mürgoh“ kommt und irgendwas schönes will. Und naja, sowas finde ich immer ganz lustig. Das mag ich eigentlich am meisten. Oder natürlich das „Nu, Nu, Nu“. Weiß nicht, ob das besonders Sächsisch ist, aber doch eigentlich schon. Das ist genau das typische „u“, was dann irgendwie zu einem „ü“ oder so wird. Also das finde ich eigentlich immer das, was irgendwie am lustigsten ist am Sächsischen, nu. Also richtig Wörter wees ich jetzt nich. Da gibt es bestimmt enige schöne Wörter, aber so wees ni ... da verwende ich jetzt keine großen, sage ich mal, extra Wörter. Oder mir fällt es meistens nur nicht oft, dass ich irgendwelche besonderen Wörter verwende, ne.
Aber an sich ja, Dialekt. Ich kann auch, wenn ich möchte, sehr deutlich Hochdeutsch reden. Das ist gar kein Problem … da wenn ich irgendwelche Vorträge halte, so in der Uni, wenn es ma wirklich drauf ankommt, in der Prüfung oder wenn ich eine Präsentation auf Arbeit halte, dann kann man schon mal natürlich ins Hochdeutsche wechseln. Oaber wenn man ma ’en bissl under Freunden is und so, vielleicht ’n paar Bierchen gedrunken hat, da freut man sich ’n bissl rumzuschludern. Nu, so ist das. Ne, genau. Und auf Arbeit, naja, das ist immer so hin und her. Jetzt, also da gibt es auch einige, die sehr, sehr, sehr tolle Sächsische sprechen bei mir auf Arbeit, so besonders von den Chefs. Und wenn dann die, ich sag mal, die Lisa ankommt irgendwie und fragt: „Na, wie war es heute? Wasch hast du heute gemacht?“ So, na, da antworte ich natürlich auch auf Sächsisch, so tolle wie es geht, weil es sich dann irgendwie von der Situation perfekt irgendwie ergibt.
Genau. Aber ja, das ist einfach so ein Ding eben, wenn’s Leute gibt, die Sächsisch reden oder so’n bissel, dann bin ich voll dabei. Und wenn auf eemal alle Hochdeutsch reden, dann, ja, rede ich, sage ich mal auch sehr wenig Sächsisch, nu. Also es hängt wirklich richtig hart von der Situation immer ab, ob man es macht oder nich. Ja, und in der Zukunft. Na ja, also ich finde das Sächsische schon ganz cool. Ich würde es mir jetzt ni als Lebensaufgabe zu machen, dass ich meinen Kindern so Sächsisch beibringen sollte. Aber ich denke mal, wenn ich, weil ich in meinem Alltag ooch sehr oft Sächsisch rede, werden sie ooch n’ paar Redewendungen, sag ich mal, mit hinkriegen. Oder die Aussprache, dass es so ist. Ist jetzt nicht mein Ziel. Aber ich fänds jetzt o ni schlimm, beziehungsweise sogar eigentlich ganz schön, wenn man sächselt ’en bissl. Es muss ja ni zu viel sein, aber so’n bisschen is schon manchmal ’ne ganz schöne Sache.

Judith Levi