Ich spreche Sächsisch. Ich bin in der Sächsischen Schweiz aufgewachsen. Meine Eltern, die kommen aus dem Vorerzgebirge. Das heißt, die haben das von Kind an auch sprechen gelernt, diesen Dialekt und an mich weitergegeben. Ich habe es aufgenommen und spreche das eigentlich heute auch noch sehr gern. Nich in allen Situationen, darauf gehe ich ganz später noch ein, aber doch im Privaten auf jeden Fall sehr, sehr gern. Das fügt sich irgendwie so natürlich in meiner Sprache ein und es fühlt sich einfach fließend, einfach und unkompliziert an.
Es gibt verschiedene Wörter, die ich auf jeden Fall mit einbaue. Ich glaube, über ganz viele bin ich mir selber gar nicht so bewusst, dass sie für quasi Leute, die den Dialekt nicht sprechen, als anders irgendwie oder nicht Hochdeutsch eben wahrgenommen werden. Eins, was ich sehr gern benutze, ist „Nu“ für „Ja“ oder „Or nee“, für „Och nein“ oder „Schade“, „Mist“, irgendwie sowas in die Richtung. Ich vernuschle ganz gerne Enden von Wörtern. Ich nutze irgendwie so wirklich zugegeben seltsam klingende Wörter wie „Loofn“ für „Laufen“, „Boom“ für „Baum“ und so weiter. Ich weiß aber auch, ich habe es ganz viele zumindest von der Familie mitbekommen, es gibt riesige Unterschiede zwischen Dresden, Leipzig, Chemnitz, Erzgebirge, da gibt es ganz ganz viele unterschiedlich ausgesprochene Wörter. Das finde ich schön.
Ich spreche, wie gesagt, den Dialekt sehr sehr gern. Ich nutze ihn aber wirklich nich in allen Situationen. Im Privaten sehr gern, sehr fließend, da merk’ ich gar nicht, wie ich quasi zwischen Hochdeutsch und dem Dialekt switche. Es fügt sich irgendwie natürlich ein. Wenn ich mich mit jemandem wohlfühle, jemand schon lange kenne, dann spreche ich auch, glaube ich, ein bisschen leiser, ein bisschen schneller und halt auch mit Dialekt, weil es jetzt einfach irgendwie so ganz natürlich anfühlt und es ist für mich quasi mehr Arbeit oder ich muss mich mehr konzentrieren, perfekt Hochdeutsch zu sprechen.
Im Beruflichen bin ich wirklich sehr sehr bemüht Hochdeutsch zu sprechen. Auch da kommt es ein bisschen auf das Umfeld an, wenn’s eher so lockere Arbeiten sind. Wenn’s irgendwie eine körperliche Arbeit in der Werkstatt ist, dann ist natürlich Sächsisch voll fein. Aber gerade wenn’s um meinen Bürojob geht, dann bin ich doch sehr bemüht in gerade Kundengesprächen, Vertriebsgesprächen nicht mit meinem Dialekt um die Ecke zu kommen.
Ich hab privat eigentlich noch nie ’ne schlechte Erfahrung gemacht. Also, es hat mir noch nie irgendjemand gesagt: „Ey, dein Dialekt gefällt mir nich. Ich mag nich wie du sprichst. Ich find das komisch.“ Oder es is auch noch nie irgendjemand, mit den ich sag ma typisch negativ behafteten sächsischen Vorurteilen um die Ecke gekommen. Es sind eigentlich alle immer sehr aufgeschlossen gewesen oder ham sich gefreut, wenn ich Dialekt spreche. In der Arbeit wird das quasi … es is leider so’n bisschen versteckt von mir. Und das is auch in Ordnung, find’ ich, weil man braucht irgendwie so’ne gesamtheitliche Sprache, mit der sich alle sehr gut verständigen können. Ich würde zum Beispiel auch kein tiefes Bairisch verstehen. Genau, deshalb ich bin bemüht den sächsischen Dialekt zu verstecken auf Arbeit, so traurig das klingt, aber da trenne ich quasi privat und beruflich. Ansonsten gehe ich auf die Leute zu, wie es kommt und bin bisher immer sehr sehr gut damit gefahren.
Generell würde ich sagen, dass ich ein Mensch bin, der sehr sehr wenig Wert auf Traditionen legt. Also Werte und Ordnung sind mir wichtig, aber Tradition im klassischen Sinne, wie gewisse Feste wie Weihnachten und so weiter sind mir nicht wichtig. Und so ist es dann quasi auch mit der Tradition des Sprechens, des Dialektsprechens, des sächsischen Sprechens. Das ist mir nicht wichtig, dass dieser Dialekt in seiner Form, wie er einmal war oder jetzt gerade ist, erhalten bleibt. Was mir wichtig ist, dass ich so sprechen kann, wie ich das möchte. Also ich merk, dass ich zum Beispiel Menschen, die mir sehr sehr nahe stehen, irgendwie noch so manchmal wie quasi eigene Wörter erfinden, die jetzt quasi auch keinem Dialekt entsprechen, aber die sich dann irgendwie so ins natürliche Sprechen mit einfügen. Das ist mir sehr sehr wichtig. Aber wenn sich die Sprache wandelt, ist das vollkommen in Ordnung für mich und ich habe da irgendwie keine Angst vor einem Traditionsverlust, Werteverlust. Ich kann komplett verstehen, wenn für andere Generationen da irgendwie noch so eine ostdeutsche Kränkung irgendwie dranhängt, mit dieser Dialekt quasi verloren geht, dass da ein Stück Identität auch mit verloren geht. Für mich persönlich empfinde ich das aber nicht so. Ich freue mich über Wandel und Flexibilität. Und wenn ich quasi Kinder bekommen würde, dann würde ich auf jeden Fall mit denen ganz normal so sprechen, wie ich im Alltag auch spreche. Und ich spreche Sächsisch, dem zur Folge würde ich das auf jeden Fall weitergeben.