Ich bin in dem sächsischen Dialekt aufgewachsen. Und ich muss tatsächlich sagen, dass mir bis zu meinem Start im Studium in Dresden und, oder Umzug nach Hamburg vieles gar nicht aufgefallen ist, was zu dem sächsischen Dialekt gehört. Weil als ich dann mit Leuten angefangen hab zu reden und hier und da mal ein paar Wörter sich reingeschlichen haben oder der Dialekt dann doch noch … ham sie das nicht immer verstanden, sage ich mal. Und ham gefragt, ja „Was bedeutet das uns das jetzt?“ Manchmal ham se gefragt: „Was ist eine Bemme?“, „Was ist eine Roster?“. Ja, oder wenn ich dann angefangen hab zu erzählen, dass ich aus Sachsen komme, dann ist die erste Reaktion immer so, dass der Dialekt nachgemacht wird. Also ist schon sehr bekannt.
Und ja, Dresden klingt auch so’n bisschen komisch, sage ich mal, weil das ist ja immer noch in Sachsen. Aber so von Zwickau nach Dresden gezogen habe ich dann wahrscheinlich noch mal einen sehr tieferen Dialekt gehabt, ist mir halt vorher gar nicht aufgefallen. Ja, erst mit Freunden und anderen Kommilitonen und so weiter oder auch mit dir. Dir ist es ja auch eher aufgefallen, dass ich noch mal mehr Dialekt habe, zum Beispiel als Thanh oder andere Freunde. Und ja, ich weiß nicht, so typische Wörter oder auch so Redewendungen ... Fällt mir natürlich jetzt schwer, viele zu nennen. Aber eins, was immer im Kopf geblieben ist, ist auf jeden Fall zum Beispiel „Ja, ich mache wo hin.“ oder so. Dann ham sich die Leute immer gefragt, was will sie jetzt damit aussagen, was ich mache oder wohin ich gehe oder so. Sowas halt zum Beispiel. Oder so andere, die man halt natürlich so versteht, aber mit unserem sächsischen Dialekt, so „Nu kloar“, sowas.
Ja, also ich glaube, wenn du fragst, welcher, welches Wort mir besonders, was ich besonders mag ist zum Beispiel „Bemme“. Ich weiß nicht, ich verbinde damit glaube ich wahrscheinlich einige Erinnerungen an meine Kindheit mit meiner Freundin, weil das immer oft auch von den Eltern meiner damaligen Freundin erzählt wurde oder gesagt wurde. Und die haben das dann immer zum Abendessen gemacht. Das war immer so, weiß nicht … das ging so leicht über die Lippen.
Mit wem ich noch im Dialekt spreche, ist besonders, wenn ich wieder zurück in Zwickau bin, bei meinen Eltern. Manchmal mit Freunden, die natürlich auch in Sachsen aufgewachsen sind, oder auch mit den Leuten in den Läden oder Restaurants. Da sage ich mal, rutscht der mir immer mal noch raus, aber sonst hab ich irgendwie sehr versucht, meinen Dialekt abzulegen, weil ich auch irgendwo ’n bissl das politische Klima damit verbinde. Und immer wenn ich sage, ich komme aus Sachsen, ist dann halt auch die erste Reaktion von Leuten so: „Oh okay.“ Also ’n bisschen so negativer. Und ich kann mich damit ja selber auch nicht wirklich identifizieren mit dem politischen Klima und habe das dann so nach und nach immer weiter abgelegt, sage ich mal. Also natürlich gibt es hier und da immer noch Wörter oder Situationen, wo das rauskommt—was jetzt natürlich nicht schlimm ist. Aber ich glaube, in meinem Alltag mittlerweile rede ich sehr viel mehr auf Hochdeutsch.
Wie das dazu natürlich geführt hat, habe ich glaube ich vorher auch schon erwähnt. Ich glaub gerade dann ist es aufgefallen, als ich mein Studium gestartet habe. Und irgendwie mochte ich das nicht so sehr, weil das immer mit einer politischen Gruppe irgendwie oder mit dem politischen Klima verbunden wurde und dann habe ich das nach und nach mal weggelassen. Und jedes Ma drauf angesprochen zu werden—vor allem auch mit meinem Hintergrund als Vietnamesin—, das ist immer so sehr komisch gewesen: „Oh, ’ne Vietnamesin mit sächsischem Dialekt.“ Und ich glaub, deswegen is es über die Zeit auch einfach ’n bisschen verschwunden.
Und zu der dritten Frage noch, ob ich den beibehalten will oder an Generationen weitergebe. Ich glaub eher weniger. Ich glaub gerade weil ich ja jetzt auch nicht mit Eltern aufgewachsen bin, die Deutsch sprechen oder gerade noch mit einem sächsischen Dialekt und ich das jetzt mit der Zeit ein bisschen abgelegt habe, werde ich das wahrscheinlich nicht weitergeben können. Und ja es liegt nicht so ganz sag ich mal in meiner in meinem Blut. Vielleicht kommen hier und da noch mal ein paar Wörter mit, aber ich sag mal so, dass es jetzt nicht unbedingt eine Priorität hat.