Ich bin mit dem Dialekt Sächsisch aufgewachsen und in meiner Familie wird aber auch die Oberlausitzer Mundart gesprochen. Also vor allem meine Großeltern und meine Urgroßeltern sprechen das. Und ich weiß noch, als Kind und Jugendlicher habe ich meine Urgroßeltern manchmal auch gar nicht so richtig verstanden. Also die ham dann ja mit dem Alter auch ein bisschen undeutlich gesprochen und dann hat die Mundart nochmal ganz eigene Begriffe und ’ne eigene Aussprache. Und mein Opa hat mein Bruder, mich irgendwann mal gefragt, was „Abernmauke“ ist und wir wussten es nicht. Dann hat es uns erklärt, das ist eben der Begriff für Kartoffelbrei oder Kartoffelpüree. Es ist eigentlich noch ein bisschen eigenes Gericht, aber das ist auch ein Wort, was ich auch manchmal verwende—aber dann eher so im Scherz in meinem privaten Sprachegebrauch—, dass ich dann anstatt eben Kartoffelbrei „Abernmauke“ sage.
Meine Mutter und mein Vater sprechen mehr Sächsisch und ich glaube, das sind auch so die Momente, wo ich den Dialekt spreche. Also wenn ich bei meiner Familie bin oder das reicht auch schon, dass ich mit jemandem telefoniere. Und ich glaube, so unbewusst spiegel ich dann diesen Dialekt. Und ja, deshalb verbind ich persönlich den Dialekt auch viel mit meiner Familie und zu Hause sein, so an den Festtagen oder an irgendwelchen Feierlichkeiten.
Im Privaten rede ich eigentlich nur Hochdeutsch, aber das war jetzt auch keine … wenn ich so drüber nachdenke, war das auch nie ’ne bewusste Entscheidung—also so ein Punkt, wo ich sage, okay, ab jetzt spreche ich nur noch Hochdeutsch. Ich glaube, das hat viel auch so mit Bildungsfaktoren zu tun. Man hat in der Schule Hochdeutsch gelernt und gesprochen und dann, wenn man studiert. Ich glaube, es gibt schon so unterbewusste Vorurteile. Oder die habe ich auch, das merke ich, dass wenn jemand ’nen starken Dialekt spricht, dass so das Vorurteil von ’nem geringeren Bildungsgrad da ist.
Also ich würde schon sagen, dass sich da meinen Sprachgebrauch verändert hat, aber auch eher unterbewusst. Und wenn ich jetzt auch so zurückdenke ans Studium, waren da eigentlich wenige Menschen, die Dialekt gesprochen haben, wo ich das mitbekommen hätte.
Und trotzdem finde ich den sächsischen Dialekt schön. Also ich persönlich verbinde damit eigentlich positive Gefühle. Manchmal kann ich meinen Dialekt auch so ein bisschen als Party-Trick verwenden. Also viele hören mir das nicht an, dass ich aus Sachsen komme. Und wenn man dann drüber spricht mit Leuten, die man noch nicht kennt und die fragen, wo man herkommt und dann sage ich eben: „Ja, aus Dresden“ und dann ist schon manchmal der Kommentar gekommen: „Ah das hört man gar nich“ oder „Das hört man dir gar nich an“. Und dann ist es eigentlich ganz lustig, wenn ich sagen kann, so ja aber ich kann schon Sächsisch und dann kann man so ein paar Worte und Sätze auf Sächsisch sagen. Weil ich glaube, dieser Switch is schon ja seltsam auch. Also ich glaube, man is schon ein kleines bisschen ’ne andere Person in ’nem Dialekt. Vielleicht, dass man, dass die Sprache auch so ’ne, ja, persönlichkeitswirksame Komponente hat. Und ich glaube, wenn man mit einem Dialekt aufgewachsen is und dann Hochdeutsch spricht, geht dieser Dialekt trotzdem irgendwie nie raus. Also ich weiß, ich hatte mal in einem Studentenjob dann ein längeres Gespräch mit einem Kunden und am Ende hat er mich so auch gefragt: „Woher kommen Sie?“ und dann habe ich eben gesagt: „Ja, hier aus Dresden“ und dann meinte er eben, er ist Deutschlehrer und hat es nicht erkannt, aber es gab eine Satzstellung, bei der er sich es dann gedacht hat. Und das fand ich irgendwie auch lustig, dass selbst wenn ich jetzt Hochdeutsch spreche, gibt es trotzdem so ganz kleine Überbleibsel von diesem Dialekt und das ist ja auch irgendwie was Schönes.