Über’s Projekt

Die Masterarbeit „Ich spreche, also bin ich?“ ist ein Projekt über Perspektiven der Generation Z auf sächsische Dialekte. Im Vordergrund der Arbeit steht die audiovisuelle Inszenierung von diesen Perspektiven. Dabei ist der Mangel an Repräsentationen junger Menschen aus Sachsen mit dialektalen Sprechweisen eine zentrale Motivation, ebenso wie der Wunsch, einen Raum für den Austausch über ostdeutsche Identitäten im Zusammenhang mit Sprache zu schaffen.

Die digitale Publikation bietet die Möglichkeit, 13 Stimmen* zuzuhören, sie zu erkunden und tiefer in die Recherche rund um das Thema einzutauchen. Die Teilnehmenden sendeten Audioaufnahmen als Sprachnachrichten ein. Darin sprechen sie über ihre eigene Sprechweise, die persönliche Bedeutung des Dialekts sowie dessen Wahrnehmung und Wandel im Laufe ihres Lebens. Auch die mögliche Weitergabe der Mundart sowie Konfrontationen mit Stereotypen rund um Ostdeutschland, Sachsen und die Dialekte kommen zur Sprache. Ziel ist es, dass sich sächsisch sprechende Menschen der Generation Z positiv repräsentiert fühlen und Außenstehende dem Sächsischen neu begegnen.

*Die hier dargestellten 13 Stimmen stammen aus dem sozialen Umkreis der Autorin und sind nicht repräsentativ für eine ganze Generation. Sie geben lediglich einen kleinen Einblick in postostdeutsche Identitäten.

Abbildung Oberlausitz
Abb.: Ausflug mit meiner Familie in der Oberlausitz (eigene Aufnahme, 2004)

Wenn ich an sächsische Dialekte denke, entstehen in meinem Kopf zwei Bilder: Einerseits verbinde ich die Sprechweise mit meiner Familie und Freunden, einem Gefühl von Verstanden werden und Zugehörigkeit. Im zweiten Bild brüllt (symbolisch) ein Wutbürger mit Deutschland-Fischerhut (auch bekannt als der Hutbürger) am Rande einer Pegida-Demonstration in die Kamera und beschimpft das dahinterstehende Reporterteam.
Mir ist bewusst, dass beide Bilder, das meiner Familie ebenso wie das des Hutbürgers, nebeneinander existieren können. Doch mit dem Älterwerden habe ich zunehmend den Eindruck gewonnen, dass in der Berichterstattung das Bild des Hutbürgers als Repräsentation Ostdeutschlands dominiert und sich in den Köpfen vieler festgesetzt hat.

Bemerken tue ich das in persönlichen Begegnungen: Eine Person aus dem Ruhrpott, der ich in Dresden begegnet bin, war sichtlich überrascht, wie lebenswert die Stadt ist. Die Person hatte erwartet, eine „räudige Fascho-Stadt“ vorzufinden. Ähnliches erlebe ich, wenn ich auf die Frage nach meiner Herkunft mit „Dresden“ antworte und ein überraschter Blick oder ein zögerliches „Ah“ die Antwort ist. Auch der Satz „Das hört man dir gar nicht an.“ gehört in diesen Zusammenhang. Als ich diese Reaktion zum ersten Mal hörte, wurde mir bewusst, dass meine von außen wahrgenommene Identität eng mit meiner Sprechweise verknüpft ist.

In Diskursen über Ostdeutschland schwingt die Stigmatisierung ostdeutscher Dialekte häufig mit, rückt jedoch selten selbst in den Mittelpunkt, und noch seltener kommen junge Menschen zu Wort. Dabei erlebe ich, dass die Sprechweise oft das Erste ist, worüber Menschen als ostdeutsche Person wahrgenommen werden und mit Stereotypen über Ostdeutschland und Sachsen konfrontiert werden.


Kontakt

mail@hannahkrause.com

hannahkrause.com

Impressum

MasterarbeitIch spreche, also bin ich?
Eine audiovisuelle Inszenierung von Perspektiven auf sächsische Dialekte aus der Generation Z (2026)
GestaltungHannah Charlotte Krause
ProgrammierungHannah Charlotte Krause mit Hilfe von Claude (Sonnet 4.6)
InstitutionFachhochschule Potsdam, Fachbereich Design
Betreut vonProf. Susanne Stahl und Prof. Dr. Helga Schmid
SchriftenNew Edge 666 Rounded von Charlotte Rohde und Rosart von Camelot Typefaces