In regelmäßigen Abständen werden Umfragen zur Beliebtheit deutscher Dialekte durchgeführt. Im Jahr 2023 initiierte die Online-Sprachlernplattform Preply eine Befragung unter 1.000 Personen im Alter von 16 bis 65 Jahren in Deutschland. Im Mittelpunkt stand die Frage: „Welche deutschen Dialekte mögen Sie überhaupt nicht?“ (Mykhalevych 2024).
Die Teilnehmenden konnten zur Beantwortung mehrere Dialekte auswählen, darunter Bairisch, Sächsisch und Schwäbisch, aber auch Varianten wie Wienerisch, Tirolerisch, Kärntnerisch, Schwyzerdütsch sowie keine der aufgezählten Dialekte (vgl. Mykhalevych 2024).
Die Ergebnisse zeigen, dass Sächsisch mit 37,6 Prozent und einem deutlichen Abstand von 18,3 Prozent vor dem Schwäbischen am häufigsten als unbeliebter Dialekt genannt wird. Bairisch landet mit 18,6 Prozent auf Platz drei, dicht gefolgt von Thüringisch mit 17 Prozent. Gleichzeitig weist die Studie darauf hin, dass Sächsisch innerhalb der Generation Z weniger negativ bewertet wird. So gaben lediglich 29 Prozent der 16- bis 24-Jährigen an, Sächsisch als unangenehmsten Dialekt zu empfinden. Besonders kritisch wird der Dialekt hingegen von Personen im Alter zwischen 45 und 54 Jahren beurteilt. Insgesamt bewerten Frauen das Sächsische etwas negativer als Männer, mit Anteilen von 40 Prozent gegenüber 35 Prozent. Laut Preply zeigt sich dennoch eine positive Entwicklung: Im Vergleich zu einer Studie aus dem Jahr 2008 hat das Sächsische an Beliebtheit gewonnen (vgl. Mykhalevych 2024). Aber warum ist Sächsisch weiterhin der unbeliebteste Dialekt?
Während Sächsisch, vor allem das Obersächsisch, eine lange Zeit eine einflussreiche Sprache war, wie der Germanist Beat Siebenhaar beschreibt, und selbst „Martin Luther [...] sich in seinen Reformationsschriften und in der Übersetzung der Bibel hauptsächlich an der sächsischen Amtssprache orientiert [hat]“ (Siebenhaar 2011, S. 91), führte der politische Bedeutungsverlust Sachsens im 18. Jahrhundert und die Verlagerung des kulturellen Zentrums nach Berlin dazu, dass das Sächsische seine Rolle als Norm verlor. Die Weiterentwicklung der neuen Standardsprache führte schlussendlich dazu, dass sich Sächsisch zu einem regionalen Dialekt entwickelte, welcher nun zur Sprache der einfachen Leute wurde. Im späten 19. Jahrhundert wurden sächsische Dialekte in der Literatur zunehmend neben der Komik auch für Satire und Parodie beansprucht. Gerade die Figur „Partikularist Bliemchen“ von Gustav Schumann (1851-1897) führte zu einem negativ konnotierten Bild des Sachsens als Spießbürger, sodass das Sächsische überregional mit Eigenschaften wie „Geschwätzigkeit, Einfalt und Überheblichkeit“ (Siebenhaar 2011, S. 96) verbunden wurde (vgl. Siebenhaar 2011).
Gerade die nicht weit zurückliegende Vergangenheit hat bis heute eine Einfluss auf die Wahrnehmung der sächsischen Dialekte: In der Zeit der DDR war Sächsisch die Sprache der politischen Elite und gewann dadurch an Bedeutung. Durch das Kabarett wurde es wieder auf die Bühne gebracht, um die Regierung zu mimen und fungierte dadurch als Ausdrucksmittel von Kritik. In der westdeutschen Wahrnehmung hingegen „wurde das Sächsische [...] zur Sprache der DDR“ (Siebenhaar 2011, S. 97), da über das Fernsehen und Radio vor allem Reden der Führung übertragen wurden. „Hinzu kam, dass das Sächsische die am weitesten verbreitete regionale Varietät der DDR war“ (Siebenhaar 2011, S. 97) und viele Beamte an der Grenze in ihrer Mundart sprachen (vgl. Siebenhaar 2011).
Auch wenn die oben angeführte Befragung und die historische Herleitung zunächst ein deutschlandweites negatives Bild auf „das Sächsische“ vermittelt, muss auch die andere Seite, also die Frage nach den beliebtesten Dialekten, berücksichtigt werden.
Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) führt regelmäßig repräsentative Erhebungen zu verschiedenen sprachbezogenen Themen durch. Astrid Adler und Maria Ribeiro Silveira, Mitarbeiterinnen des Projekts „Sprache in Deutschland“ am IDS, berichten in ihrem Artikel „Welche Dialekte finden die Menschen in Deutschland sympathisch?“ über die gegenwärtige Bewertung von Dialekten in Deutschland, basierend auf einer Erhebung aus dem Jahr 2017 (vgl. Adler & Ribeiro Silveira 2025).
Auch in dieser Studie wird Sächsisch als der am negativsten bewertete Dialekt genannt. Es folgen die Kategorien „kein Dialekt“, Bairisch und Schwäbisch. Ein Blick auf die Gegenfrage nach dem sympathischsten Dialekt zeigt jedoch ein differenzierteres Bild: Hier belegt Bairisch den ersten Platz, gefolgt von Norddeutsch und „kein Dialekt“, während Sächsisch nach Schwäbisch auf dem fünften Rang liegt. Die Ergebnisse verdeutlichen somit, dass Dialekte, die als unsympathisch gelten, zugleich auch positive Zuschreibungen erfahren. Die Autorinnen schließen daraus, dass Sächsisch stark polarisiert und zugleich eine hohe überregionale Wahrnehmung besitzt (vgl. Adler & Ribeiro Silveira 2025). Warum Sächsisch trotzdem immer wieder als der unsympathischste Dialekt wahrgenommen wird, erklärt Siebenhaar folgendermaßen: „Bei Sprachstereotypen werden die Eigenschaften der Sprache häufig auf die Menschen übertragen“ (Siebenhaar 2011, S. 97). Merkmale des Sächsischen wie die Reduktion von Endsilben gelten dann als Zeichen mangelhafter Standardsprache oder werden als schlechtes Deutsch beschrieben. Diese sprachlichen Zuschreibungen werden dann auf eine ganze Bevölkerungsgruppe übertragen (vgl. Siebenhaar 2011). Auch in einem SWR-Beitrag zur Frage „Warum wirken Dialekte unterschiedlich sympathisch?“ (2022) wird erklärt, dass das Klangbild eines Dialektes Auswirkungen auf dessen Wahrnehmung hat. Im Sächsischen und Schwäbischen werden bestimmte Laute weiter hinten im Rachen gebildet, was auf Außenstehende den Eindruck erwecken kann, als würde eine Person ihre Worte zurückhalten. Bairisch wird im Vergleich dazu oft als sympathischer wahrgenommen, da „die Vokale weit vorne im Mund artikuliert [werden]“ (Paál 2022) und dadurch direkter und offener wirken (vgl. Paál 2022).
In der Studie wurden zudem sowohl die Eigen- und Fremdbewertung von Dialekten als auch deren räumliche Umgebung berücksichtigt. Während Sächsisch bei der Negativbewertung hervorsticht, zeigt sich, dass Sächsisch im ostmitteldeutschen Raum sowie im nördlich angrenzenden Brandenburg vergleichsweise am positivsten bewertet wird. Grundsätzlich wird der jeweils eigene Dialekt am häufigsten als „sehr sympathisch“ eingeschätzt. In der Fachliteratur wird dies als positives Autostereotyp bezeichnet, also als ein positives Selbstbild. Auffällig ist jedoch, dass Menschen im ostmitteldeutschen Raum ihren eigenen Dialekt weniger positiv bewerten als Sprecher*innen anderer Regionen ihre jeweiligen Dialekte bewerten (vgl. Adler & Ribeiro Silveira 2025).
Eine weitere interessante Beobachtung ist, dass in Studien bei offenen Antworten Sächsisch und Ostdeutsch häufig gleichgesetzt werden. Ein Indiz dafür ist, dass „Ostdeutsch in handgezeichneten Karten – meist von westdeutschen Probanden – über das Bundesland Sachsen hinaus im gesamten ostdeutschen Raum (mit Aussparung des Nordens und Berlins) eingezeichnet [wird]“ (Foroutan, Simon & Zajak 2023, zitiert nach Adler 2025, S. 10).
Wie sich die Wahrnehmung sächsischer Dialekte konkret äußert, welche Ausprägungen die negative Bewertung annehmen kann und welche Fragen sich daraus ergeben, lässt sich unter anderem in verschiedenen Internetforen wie „Reddit“ oder „gutefrage“ beobachten:
⬤ u/RedKrypton auf Reddit r/de am 11. Nov 2015
„Warum hört sich Sächsisch so Scheiße an? Ich studier seit Anfang Oktober in Wien. In meinem Jahrgang ist ein Sachse aus Leipzig and bei Gott ich könnt dem Typen jedes Mal den Kopf einschlagen sobald er redet. Es ist egal was redet, jedes Mal steigt mir die Grausbirn auf. Ich werd unglaublich aggressiv sobald ich ihn hör. Ist was falsch mit mir?“ (u/RedKrypton 2015)
u/Atanar am 11. Nov 2015
„Ich hab eher das Problem, das ich sächselnde Leute nicht so leicht ernst nemen kann. Für mich ist das der Dialekt, den ich nur von Komikern kenne.“ (u/Atanar 2015)
u/Hatandbeard am 11. Nov 2015
„Vermutung: Sächsisch löst negative Reaktionen aus, weil es in Film und Fernsehen immer die Sprache der Stasi und der DDR-Elite ist. Dann ist es auch noch der bekannteste Ossi-Dialekt und kriegt damit die ganzen negativen Stereotype ab.“ (u/Hatandbeard 2015)
u/[gelöscht] am 11. Nov 2015
„Kenn ich noch von früher. Satz mit ‚Gänsefleisch‘ an der innerdeutschen Grenze? -- Gänse fleisch mal den Gofferraum uffmache?“ (u/[gelöscht] 2015)
⬤ Hris1505 auf gutefrage.net am 17. August 2018
„Kann man von den Westen in den Osten ziehen? Wie (schlimm) ist der sächsische Akzent in Dresden?
Komme aus NRW. Möchte evtl. an der Uni TU Dresden ein Studium beginnen. Was denkt ihr.“ (Hris1505 2018)
⬤ u/Basic_Ad_2235 auf Reddit r/AskAGerman am 15. Dez 2021
„What exactly do the Germans do not like the Saxon dialect and do not seem beautiful? I understand that only a German can understand this, but still“ (u/Basic_Ad_2235 2021)
u/[gelöscht] am 15. Dez 2021
„It sounds like it’s from a cartoon, really.“ (u/[gelöscht] 2021)
u/punker2706 am 15. Dez 2021
„I think this describes it quite well. Look up a scene from the movie ‘go Trabbi go’ to get the full Saxonia experience. You will cringe even if you don't speak german“ (u/punker2706 2021)
u/elperroborrachotoo am 15. Dez 2021 „Isn't that reverse causality perhaps: it sounds from a comic because it has been used as comedic relief for a long time? Kind of ‘awkward guy with glasses is awkward’ trope.“ (u/elperroborrachotoo 2021)
u/ProfZauberelefant am 15. Dez 2021
„What's the worst dialect in your language? The one that stops Sex, the one that sounds like your family never made it out of that valley for 300 years, the one that makes a grown tough guy sound like a teddy bear with anxiety?
That's saxon for you. Even other east germans look down on them.“ (u/ProfZauberelefant 2021)
u/Alert_Sorbet4016 am 16. Dez 2021
„Not only the saxonian dialect... Thüringisch, bavarian, schwäbisch, saarländisch... They are all anoying and most people just sound stupid speaking those dialects... Of course they aren't stupid... But they sound like they were…“ (u/Alert_Sorbet4016 2021)
Adler, A. (2025). Sprache, regionale und nationale Identität, Zugehörigkeit und Diskriminierung. In: Sprachreport 4/2025, 8–18. Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS).
Adler, A. & Ribeiro Silveira, M. (2025). Welche Dialekte finden die Menschen in Deutschland sympathisch? Sprache in Zahlen: Folge 17. Sprachreport, 41(3), 26–33.
Hris1505. (2018). Kann man von den Westen in den Osten ziehen? Wie (schlimm) ist der sächsische Akzent in Dresden? [Post]. gutefrage. Abgerufen am 27. März 2026 von https://www.gutefrage.net/frage/kann-man-von-den-westen-in-den-osten-ziehen-wie-schlimm-ist-der-saechsische-akzent-in-dresden
Mykhalevych, N. (2024). Dialekte des Grauens: Diese deutschen Dialekte sind besonders unbeliebt. In: Preply. Abgerufen am 12. März 2026 von https://preply.com/de/blog/umfrage-deutsche-dialekte/
Paál, G. (2022). Warum wirken Dialekte unterschiedlich sympathisch? SWR. Abgerufen am 8. April 2026 von https://www.swr.de/swrkultur/wissen/warum-wirken-dialekte-unterschiedlich-sympathisch-104.html
Siebenhaar, B. (2011). Der sächsische Dialekt. In: Donath, Matthias/Thieme, André (Hrsg): Sächsische Mythen. Leipzig: Edition Leipzig. S. 91–99.
u/Alert_Sorbet4016. (2021). Not only the saxonian dialect... Thüringisch, bavarian, schwäbisch, saarländisch... [Kommentar in Reddit-Thread]. Reddit. Abgerufen am 27. März 2026 von https://www.reddit.com/r/AskAGerman/comments/rh7ijs/what_exactly_do_the_germans_do_not_like_the_saxon/
u/Atanar. (2015). Ich hab eher das Problem, das ich sächselnde Leute nicht so leicht ernst nemen kann… [Kommentar in Reddit-Thread]. Reddit. Abgerufen am 27. März 2026 von https://www.reddit.com/r/de/comments/3seqod/warum_h%C3%B6rt_sich_s%C3%A4chsisch_so_schei%C3%9Fe_an/
u/Basic_Ad_2235. (2021). What exactly do the Germans do not like the Saxon dialect and do not seem beautiful? I understand that only a German can understand this, but still [Reddit Post]. Reddit. Abgerufen am 27. März 2026 von https://www.reddit.com/r/AskAGerman/comments/rh7ijs/what_exactly_do_the_germans_do_not_like_the_saxon/
u/elperroborrachotoo. (2021). Isn't that reverse causality perhaps: it sounds from a comic because it has been used as comedic relief for a long time?… [Kommentar in Reddit-Thread]. Reddit. Abgerufen am 27. März 2026 von https://www.reddit.com/r/AskAGerman/comments/rh7ijs/what_exactly_do_the_germans_do_not_like_the_saxon/
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u/ProfZauberelefant. (2021). What's the worst dialect in your language? The one that stops Sex, the one that sounds like your family never made it out of that valley for 300 years… [Kommentar in Reddit-Thread]. Reddit. Abgerufen am 27. März 2026 von https://www.reddit.com/r/AskAGerman/comments/rh7ijs/what_exactly_do_the_germans_do_not_like_the_saxon/
u/punker2706. (2021). I think this describes it quite well. Look up a scene from the movie "go Trabbi go" to get the full Saxonia experience… [Kommentar in Reddit-Thread]. Reddit. Abgerufen am 27. März 2026 von https://www.reddit.com/r/AskAGerman/comments/rh7ijs/what_exactly_do_the_germans_do_not_like_the_saxon/
u/RedKrypton. (2015). Warum hört sich Sächsisch so Scheiße an? [Reddit Post]. Reddit. Abgerufen am 27. März 2026 von https://www.reddit.com/r/de/comments/3seqod/warum_h%C3%B6rt_sich_s%C3%A4chsisch_so_schei%C3%9Fe_an/
u/[gelöscht]. (2015). Kenn ich noch von früher. Satz mit "Gänsefleisch" an der innerdeutschen Grenze?… [Kommentar in Reddit-Thread]. Reddit. Abgerufen am 27. März 2026 von https://www.reddit.com/r/de/comments/3seqod/warum_h%C3%B6rt_sich_s%C3%A4chsisch_so_schei%C3%9Fe_an/
u/[gelöscht]. (2021). It sounds like it’s from a cartoon, really. [Kommentar in Reddit-Thread]. Reddit. Abgerufen am 27. März 2026 von https://www.reddit.com/r/AskAGerman/comments/rh7ijs/what_exactly_do_the_germans_do_not_like_the_saxon/
Żuk, P. (2025). Wie stehen wir selbstbewusst zu unserem Dialekt? In: Deutschlandfunk Nova. Abgerufen am 19. März 2026 von https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/identitaet-wie-stehen-wir-selbstbewusst-zu-unserem-dialekt