Oochn off bei dor Berichterstattung

Welche medialen Narrative über sächsische Dialekte und ihre Sprecher*innen existieren in Deutschland? In welchem Zusammenhang stehen diese Zuschreibungen und die Wahrnehmung der Menschen von außen?


Gesellschaftliche Vorstellungen über Sprache beeinflussen, wie wir Sprachverhalten einordnen und damit auch, wie wir Menschen bewerten, die auf bestimmte Weise sprechen (vgl. Adler 2025). Sächsische Mundarten werden im Vergleich zu anderen Dialekten häufig unsympathisch beurteilt (vgl. Adler & Ribeiro Silveira 2025), was sich wiederum auf die Wahrnehmung von sächsisch sprechenden Menschen auswirkt. Hinzu kommt, dass sächsischer Dialekt und ostdeutscher Dialekt teilweise synonym verwendet werden (vgl. Foroutan, Simon & Zajak 2023, zitiert nach Adler 2025).
     Gesellschaftliche Vorstellungen über Sprache beeinflussen, wie sprachliches Verhalten eingeordnet wird und damit auch, wie Menschen bewertet werden, die auf bestimmte Weise sprechen (vgl. Adler 2025). Sächsische Mundarten werden im Vergleich zu anderen Dialekten häufig als weniger sympathisch wahrgenommen (vgl. Adler & Ribeiro Silveira 2025), was sich unmittelbar auf die Bewertung ihrer Sprecher*innen auswirkt. Hinzu kommt, dass sächsische und ostdeutsche Dialekte teilweise synonym verwendet werden (vgl. Foroutan, Simon & Zajak 2023, zitiert nach Adler 2025), wodurch sich Zuschreibungen weiter verallgemeinern.

Um zu verstehen, wie solche Zuschreibungen beziehungsweise Stigmatisierungen entstehen, lohnt sich ein Blick auf die Verteilung von Sprecher*innen und derer, die sich eine Meinung über diese Dialekte bilden. Die Sprachwissenschaftlerin Susanne Voigt-Zimmermann sagt es in einem Interview von MDR unicato mit folgenden Worten: „Auch die Anzahl der Sprecher macht etwas damit, ob ein Dialekt gut gelitten ist oder nicht“ (vgl. Voigt-Zimmermann 2024-a, 5:23–5:30). In Sachsen leben im Jahr 2024 rund vier Millionen Menschen, was etwa 4,8 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht (vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung 2025; Statistisches Bundesamt 2025-b). Insgesamt leben in Ostdeutschland etwa 12,4 Millionen Menschen, während die Bevölkerung in Westdeutschland mehr als fünfmal so groß ist (vgl. Statistisches Bundesamt 2025-a). Diese Verteilung deutet darauf hin, dass die Wahrnehmung ostdeutscher Dialekte maßgeblich von einer deutlich größeren westdeutschen Mehrheitsgesellschaft geprägt wird. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche spezifischen Narrative über Sachsen und Ostdeutschland in der Gegenwart verbreitet sind. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Medien: Sie prägen maßgeblich das Bild von Ostdeutschland bei Menschen, die nicht in der Region leben. Gleichzeitig beeinflussen sie das Selbstverständnis derjenigen, über die berichtet wird, da diese mit medialen Zuschreibungen konfrontiert sind und sich dadurch repräsentiert fühlen oder nicht (vgl. Kopplin & Jacobs 2025).

Zur Untersuchung der medialen Präsenz Ostdeutschlands wurde das Dossier „Es ist kompliziert… – Der Osten in den Medien“ (2025) zur gleichnamigen MDR-Dokumentation von der Produktionsfirma Hoferichter & Jacobs in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig veröffentlicht. Grundlage der Analyse bilden über 321 Millionen Presseartikel seit der Wiedervereinigung, die die Wörter ostdeutsch, Ostdeutschland oder Ostdeutsche enthalten. Untersucht wurde, mit welchen Themen und Begriffen diese besonders häufig verknüpft sind (vgl. Kopplin & Jacobs 2025).
     Die Analyse belegt, dass bei der Berichterstattung negative Zuschreibungen dominieren, die aufgrund ihrer Häufigkeit zu Pauschalisierungen führen. Im Gegensatz dazu finden positive Attribute oder differenzierte Alltagsperspektiven in der überregionalen, vorrangig westdeutsch geprägten Presselandschaft kaum Beachtung (vgl. Kopplin & Jacobs 2025). Die Untersuchung belegen eine deutliche Überrepräsentation bestimmter Themen, die sich in folgende Kategorien beziehungsweise Narrative unterteilen lassen:


DDR-Bezug

Am Anfang der Analyse stand die Frage, wann über Ostdeutschland berichtet wird. Dabei wurde festgestellt, dass Berichte über den Osten nicht konstant sind, sondern oft anlassbezogen erfolgen und ihren Höhepunkt regelmäßig um den Tag der Deutschen Einheit erreichen. Im Zeitraum von 2015 bis 2024 lag der Anteil an Artikeln, die den Begriff ostdeutsch enthalten, in der Woche des Feiertages um 96 Prozent über dem durchschnittlichen Jahreswert (vgl. Kopplin & Jacobs 2025). Die nicht existierende Kontinuität in der Berichterstattung über Ostdeutschland hat laut Kopplin und Jacobs die Auswirkung, „dass ostdeutsche Perspektiven [...] weniger als strukturell relevant, sondern eher als symbolisch oder historisch aufgeladen gelten“ (Kopplin & Jacobs 2025, S. 14). In dem bereits erwähnten SWR-Beitrag wird ein weiterer Faktor für die unterschiedliche Wahrnehmung von Dialekten hervorgehoben. Entscheidend sind dabei vor allem die gesellschaftlichen Assoziationen, die mit bestimmten Gruppen verbunden werden. So wird Schwäbisch häufig mit Werten wie Sauberkeit und Ordnung verknüpft, was sich je nach individueller Bewertung dieser Eigenschaften positiv oder negativ auf die Wahrnehmung des Dialekts auswirken kann. Das Sächsische hingegen wird insbesondere in Westdeutschland teilweise noch immer mit der DDR assoziiert: „Sächsisch gleich Ossi gleich was auch immer“ (Paál 2022, 2:36–2:39) heißt es in dem Beitrag (vgl. Paál 2022).
     Da die DDR historisch häufig als Gegenbild zur eigenen gesellschaftlichen Norm verstanden wurde, kann diese Verknüpfung die Wahrnehmung des Dialekts negativ prägen. Susanne Voigt-Zimmermann führt solche Zuschreibungen und Stigmatisierungen von Charaktereigenschaften auf die jahrzehntelange Teilung Deutschlands zurück. Nach dem Mauerfall trafen dann ost- und westdeutsche Dialekte aufeinander, was bestehende Stereotype weiter verfestigte. So wurde der Dialekt ostdeutscher Sprecher*innen häufig als ungebildet und hinterwäldlerisch wahrgenommen, während westdeutsche Sprechweisen aus Sicht der Ostdeutschen eher mit Arroganz oder Besserwisserei assoziiert wurden (vgl. Voigt-Zimmermann 2024-a).


Rechte Ideologien und andere Extreme

Die Darstellung von Extremen lässt sich in der Berichterstattung über Ostdeutschland sehr häufig wiederfinden. Zum Beispiel werden Parteien wie „Die Linke und ihre Vorgängerparteien beziehungsweise ihre historischen Bezeichnungen PDS und Linkspartei, die AfD und [...] die NPD [...] häufiger in Artikeln erwähnt, die auch den Begriff ostdeutsch, Ostdeutschland oder Ostdeutsche beinhalten“ (Kopplin & Jacobs 2025, S. 6). Auffällig ist auch, dass „spezifisch ostdeutsche Themen und Eigenheiten medial nur dann gesehen werden, wenn sie besonders laute oder besonders drastische Formen annehmen und damit quasi unübersehbar werden“ (Kopplin & Jacobs 2025, S. 12). So stieg die Berichterstattung über Ostdeutschland nach der Bekanntgabe der Wahlergebnisse der letzten Bundestagswahlen 2025 rapide an (Kalenderwoche nach der Wahl: 32 Prozent über dem jeweiligen Jahresdurchschnitt), während sie in der Woche davor mit 36 Prozent unter dem jeweiligen Jahresdurchschnitt eher unterproportional waren (vgl. Kopplin & Jacobs 2025, S. 4).


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Abb. 2: Song „Es gibt keine Nazis in Sachsen“ (2018) ZDF Magazin Royal

Ostdeutschland wird in den Medien zudem stark mit radikalen politischen Einstellungen verknüpft. Seit dem Jahr 2020 treten in Artikeln, die den Begriff ostdeutsch enthalten, bestimmte Begriffe deutlich häufiger auf als im Vergleich zur gesamtdeutschen Berichterstattung. Dazu zählen unter anderem „überfremdet, PEGIDA, völkisch, Lügenpresse, ausländerfeindlich, rechtsradikal, fremdenfeindlich, AfD, NPD, rechtsextrem, Neonazi, faschistisch und Flüchtlingskrise“ (Kopplin & Jacobs 2025, S. 6).
     Auch in Fernsehformaten und anderen Bewegtbildinhalten, etwa auf YouTube, findet sich häufig das Bild des rechtsextremen Sachsen wieder. Hinzu kommt, dass solche Darstellungen mit Aufnahmen von Personen und damit auch mit deren Sprechweise verknüpft sind. Ein Beispiel dafür ist der Song „Es gibt keine Nazis in Sachsen“ (2018) mit über zwei Millionen Aufrufen vom ZDF Magazin Royal, in dem das Rechtsextremismus-Problem in Sachsen satirisch aufgegriffen wird. Als Stellvertreter für die Nazis in Sachsen wird die Aufnahme des sogenannten Hutbürgers mit seinem vermeintlich typischen Ossi-Dialekt gezeigt (vgl. ZDF Magazin Royal 2018). Der Anglerhut des Hutbürgers hat es sogar 2019 auf das überspitzte Cover des Spiegels mit dem Titel „So isser, der Ossi.“ geschafft, in dem ein Spiegel-Korrespondent aus Dresden durch den Freistaat gereist ist, um mit Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen (vgl. Kuzmany 2019).


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Abb. 3: Cover des Spiegels zum Thema Ostdeutschland im Jahr 2019

Formate wie Spiegel TV greifen auch wöchentlich gesellschaftliche Brennpunkte auf. Eines der meistgesehenen Videos des Kanals mit über fünf Millionen Aufrufen thematisiert gewalttätige rechtsextreme Gruppen von Jugendlichen in Dresden (vgl. DER SPIEGEL 2024). Selbst der Titel einer Spiegel TV-Reportage über Linksextremismus in Sachsen verweist auf die rechtsextreme Gegenposition, etwa im Beitrag „Sachsen kann auch anders: Linker Ausnahmezustand in Leipzig“ (vgl. DER SPIEGEL 2016). Dass in Ostdeutschland überdurchschnittlich häufig rechts gewählt wird, zeigt sich unter anderem an den Ergebnissen der Bundestagswahl 2025, bei der die AfD im Osten auf 32 Prozent kam, im Westen hingegen auf 18 Prozent (vgl. Tagesschau 2025). Diese Entwicklung ist nicht zu vernachlässigen und stellt eine ernstzunehmende Herausforderung für die Demokratie dar. Die kritische Aufarbeitung und Berichterstattung über Rechtsextremismus in Sachsen und Ostdeutschland ist daher von großer Bedeutung. Problematisch wird es jedoch, wenn diese Themen überproportional viel Raum einnehmen und dadurch der Eindruck entsteht, Ostdeutsche seien alle rechts (vgl. k_einheit 2025-a).
     Die Initiative k_einheit hat auf Instagram ein „Klischee-Bingo“ veröffentlicht, in dem typische Stereotype und gängige Herangehensweisen, wie über „den Osten“ berichtet wird, gesammelt und sichtbar gemacht werden (vgl. k_einheit 2025-b):

⬤ „Expert:innen erklären den Osten für den Westen / migrantische Perspektiven kommen nicht zu Wort / Safarijounalismus westdeutscher Journalist:innen / West-Selbstkritik mit einer Prise Ost-Verständnis / fehlende junge Perspektiven zur Deutschen Einheit / Der Osten muss sich an den Westen anpassen / irgendwas mit AfD / Geschichten ohne DDR-Vergangenheit bleiben außen vor / ‚Ost und West sind immer noch nicht zusammengewachsen.‘ / Ostdeutsche sollen nicht jammern/sind undankbar / Grundsatzrede: ‚Wir müssen den Osten endlich ernst nehmen.‘ / seit der DDR gefangen im System/Ostalgie / ‚der Osten‘ als homogene Blockregion / Steueropfer des Westens für den Osten / Dramatische Leerstandsbilder / Bild von einem Trabi“ (k_einheit 2025-b)


Protest und Widerstand

Mit dem Bild des rechtsextremen Sachsen gehen auch Themen wie Protest und Widerstand einher. Die Analyse zeigt, dass eine ganze Gruppe von Verben, die eine Protesthaltung ausdrücken, im Kontext mit Ostdeutschland weit überdurchschnittlich häufig verwendet wird. Zu den am stärksten überrepräsentierten Verben gehören „demonstrieren, protestieren, widersprechen, kritisieren und bezweifeln“ (Kopplin & Jacobs 2024, S. 10). Seit den 2010er Jahren gehört das Verb spalten zu den am stärksten hervorgehobenen Begriffen innerhalb der untersuchten Verben. In Presseartikeln zu Ostdeutschland, tritt es seit 2020 etwa sechsmal häufiger auf als im Durchschnitt der gesamten deutschsprachigen Berichterstattung (vgl. Kopplin & Jacobs 2024, S. 10).
     Bei diesen Begriffen entstehen vor meinem inneren Auge unmittelbar Bilder von Demonstrationen sogenannter Querdenker während der Corona-Pandemie. Diese waren zwar keineswegs ausschließlich in Sachsen oder Ostdeutschland präsent, haben jedoch das Bild eines misstrauischen Ostens zusätzlich verstärkt. Im Zusammenhang mit Begriffen wie ‚widersprechen‘ und ‚bezweifeln‘ denke ich auch an das Video „neulich bei einer Umfrage…“ (2012) von Sachsen Fernsehen, das mit über neun Millionen Aufrufen eine große Reichweite erzielt hat. Darin antwortet ein Befragter in der Leipziger Innenstadt auf die Frage „Sie haben doch bestimmt eine Liebste zu Hause oder einen Liebsten?“ mit folgendem Monolog (vgl. Sachsen Fernsehen Classics 2012):

⬤ „Ich weise diese Unterstellungen zurück. Unterstellungen sind ein journalistischer Trick. Diese dürften in der freiheitlich demokratischen Grundordnung nicht vorkommen. Sie hätten mich anders befragen müssen. Jetzt frage ich mich: Woher kommen Sie? Welche Institution sind Sie? Sind Sie eine privater Verein, der eine kleine Meinungsforschung zu einem Geschäft macht, um mich zum Anreiz zu bringen, irgendetwas zu kaufen?“ (Sachsen Fernsehen Classics 2012, 0:04–0:24)


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Abb. 4: Interview von Sachsen Fernsehen (2012)

Machtlosigkeit und Armut

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist, dass Presseartikel Ostdeutsche als Personen charakterisieren, die sich in einer gesellschaftlichen Randposition befinden. Der Osten wird dabei oft als Sonderfall dargestellt, der von einer westdeutschen Norm abweicht (vgl. Kopplin & Jacobs 2025, S. 9, 10, 14). Ein Indiz dafür sind „die Überrepräsentation der Begriffe, marginalisiert, abgehängt, Benachteiligung und Niedergang“ (Kopplin & Jacobs 2025, S. 9). Auch Verben wie „beklagen, fürchten, schimpfen, und scheitern” (Kopplin & Jacobs 2025, S. 10) weisen auf eine gewisse Machtlosigkeit hin. Das Wort beklagen zählt in sämtlichen untersuchten Zeiträumen zu den auffällig häufig verwendeten Verben und erreicht seit 2020 sogar seine höchste Platzierung. Dies deutet darauf hin, dass das stereotype Bild des klagenden Ostdeutschen, der im Dossiere auch als „Jammerossi“ (Kopplin & Jacobs 2025, S. 38) bezeichnet wird, in der medialen Berichterstattung weiterhin präsent ist (vgl. Kopplin & Jacobs 2025). Auch wirtschaftliche Themen spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle, wobei der Fokus häufig auf Defiziten und den Folgen des Strukturwandels nach 1990 liegt. Insbesondere Altersarmut und Arbeitslosigkeit nehmen dabei eine zentrale Stellung ein und sind überdurchschnittlich stark präsent, haben jedoch seit der Wiedervereinigung kontinuierlich an Bedeutung verloren (vgl. Kopplin & Jacobs 2025).
     Ein Faktencheck der Initiative k_einheit greift verbreitete Klischees über Ostdeutschland auf. So thematisiert etwas eins der von der Community gesendetes Klischee, Ostdeutsche seien besonders sparsam oder geizig. In einem dazugehörigen Instagram-Beitrag wird dieser Zuschreibung entgegnet, dass ein bewusster Umgang mit Geld vor dem Hintergrund wenig bis gar nicht zu erben und dem geringeren Einkommen im Vergleich zum Westen nachvollziehbar sei (vgl. k_einheit 2025-c).

In der Studie von Kopplin & Jacobs wurde eine Liste zusammengefasst mit den „am stärksten überrepräsentierten Adjektive in Artikeln die ostdeutsch* beinhalten“ (S. 9) aus den Jahren 2020 bis 2024:

⬤ „1. überfremdet / 2. völkisch / 3. unterrepräsentiert / 4. sozialistisch / 5. antifaschistisch / 6. ausländerfeindlich / 7. rechtsradikal / 8. fremdenfeindlich / 9. rechtsextrem / 10. kapitalistisch / 11. sowjetisch / 12. faschistisch / 13. kommunistisch / 14. reaktionär / 15. marginalisiert / 16. ideologisch / 17. rückwärtsgewandt / 18. abgehängt / 19. fehlend / 20. ambivalent / 21. demokratisch / 22. feindlich / 23. gespalten / 24. geschichtsbewusst / 25. autoritär / 26. patriotisch / 27. provinziell / 28. verbittert / 29. radikal / 30. repräsentativ“ (Kopplin & Jacobs 2025, S. 9 f.)


Keine (positive) Repräsentation

Die Pauschalisierung Ostdeutschlands in der Berichterstattung hat strukturelle Ursachen, vor allem weil die meisten Medienhäuser zu westdeutschen Konzernen gehören. Wie in dem Video-Kommentar von DIE ZEIT „Die Berichterstattung über Ostdeutschland ist pauschalisierend und peinlich“ (2019) berichtet wird, sitzt „[k]ein einziger größerer Verlag [...] in den neuen Bundesländern“ (DIE ZEIT 2019, 1:57–2:01). Laut Aussage wird die Berichterstattung in Deutschland nach wie vor überwiegend von Westdeutschen aus einer westdeutschen Perspektive gestaltet (vgl. DIE ZEIT 2019, 0:50–1:01). Dies hat zur Folge, dass lediglich zwei bis drei Prozent aller Artikel Ostdeutschland in den Mittelpunkt stellen (vgl. DIE ZEIT 2019, 2:18–2:24). Wird über den Osten berichtet, erfolgt dies häufig unter der Annahme, dass er eine homogene Einheit darstellt (vgl. DIE ZEIT 2019, 0:39 und 3:23). Auffällig ist nicht nur, was berichtet wird, sondern auch, was fehlt. Positive Zuschreibungen kommen in Artikeln mit Ostdeutschland-Bezug besonders selten vor. Am wenigsten werden Ostdeutsche mit Adjektiven wie „überragend, lernwillig, gesellig, vielseitig, super, traditionsbewusst, gesund, ehrenamtlich, wunderschön, herzlich, prächtig, flott, hochwertig, problemlos, hervorragend und wertvoll“ beschrieben (vgl. Kopplin & Jacobs 2024, S. 10). Gerade kulturelle Themen im Zusammenhang mit Ostdeutschland rücken kaum in den Vordergrund (vgl. DIE ZEIT 2019, 2:42–2:50).

Olaf Jacobs hält in der Analyse fest: „Wiederholte mediale Zuschreibungen führen fraglos dazu, dass die beschriebenen Phänomene verstärkt wahrgenommen oder für vorstellbar gehalten werden“ (Kopplin & Jacobs 2024, S. 13). Besonders die fehlende Kontinuität in der Darstellung ostdeutscher Perspektiven im gesamtgesellschaftlichen Diskurs bewirkt, dass Ostdeutschland und Ostdeutsche vor allem mit den bereits genannten Themen assoziiert werden. Diese Muster in der Berichterstattung führen auch dazu, dass „die Sichtbarkeit von Ausnahmen, von herausragenden Perspektiven, Unternehmen, Orten oder Initiativen zusätzlich erschwert [wird]“ (Kopplin & Jacobs 2024, S. 14). Die festgefahrenen Negativ-Narrative in Printmedien (s. Kopplin & Jacobs 2024), aber auch in anderen Medienformaten, in denen Menschen aus Ostdeutschland zur Sprache kommen, beeinflusst die Wahrnehmung einer Region, den dort lebenden Menschen und ihrer Sprache.

Adler, A. (2025). Sprache, regionale und nationale Identität, Zugehörigkeit und Diskriminierung. In: Sprachreport 4/2025, 8–18. Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS).

Adler, A. & Ribeiro Silveira, M. (2025). Welche Dialekte finden die Menschen in Deutschland sympathisch? Sprache in Zahlen: Folge 17. Sprachreport, 41(3), 26–33.

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k_einheit [@k_einheit]. (2025-b). BINGO!! [Instagram-Story]. Instagram. Abgerufen am 7. April 2026 von https://www.instagram.com/stories/highlights/18001685639812638/

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ZDF Magazin Royal. (2018). Es gibt keine Nazis in Sachsen - Jan Böhmermann & Maik vom LKA | NEO MAGAZIN ROYALE ZDFneo [Video]. YouTube. Abgerufen am 8. April 2026 von https://www.youtube.com/watch?v=OzB7SKJIwhM

Abbildung 2: ZDF Magazin Royal. (2018). Es gibt keine Nazis in Sachsen - Jan Böhmermann & Maik vom LKA | NEO MAGAZIN ROYALE ZDFneo [Screenshot]. YouTube. Abgerufen am 8. April 2026 von https://www.youtube.com/watch?v=OzB7SKJIwhM

Abbildung 3: DIE ZEIT. (2019). Die Berichterstattung über Ostdeutschland ist pauschalisierend und peinlich [Screenshot]. YouTube. Abgerufen am 8. April 2026 von https://www.youtube.com/watch?v=Xviqp2BJDwA

Abbildung 4: Sachsen Fernsehen Classics. (2012). neulich bei einer Umfrage… [Screenshot]. YouTube. Abgerufen am 8. April 2026 von https://www.youtube.com/watch?v=lfcGEQRyaqI

Das klingt aber gouhmsch