Emilia

00:00 / 00:00

⬤ 2001

⬤ Sächsisch/Chemnitzerisch

Also, ich bin mit Sächsisch aufgewachsen, vor allem den Sächsisch aus dem Raum Dresden, aber auch aus dem Raum Chemnitz. Bei dem Dresdnerischen in meiner Familie gab es vor allem die Wörter „Nu“, die ich auch selber tatsächlich jetzt benutze. Aber auch kleinere Begriffe wie zum Beispiel „Muzel“. Also, da bestand der Dialekt meistens immer nur aus einzelnen typischen Wörtern. Und für mich hat das immer irgendwas, wie nennt man das, was Liebliches, irgendwie ein bisschen, was Niedliches auch. Und es erinnert mich einfach an meine Großmutter, weil sie tatsächlich die am meisten sächselt in meiner Familie. Und manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich die gleichen Wörter wie sie verwende. Und das freut mich dann auch irgendwie. Also, für mich is das so ein bisschen Heimat, bisschen Familiengefühl. Ansonsten dieses Chemnitzerisch kommt eher daher, dass ich in meiner Kindheit immer eine Woche in den Sommerferien auf dem Reiterhof war und die haben da wirklich sehr gesächselt. Und da fand ich immer sehr spannend, wie ich nach dieser Woche diesen Dialekt so auf mich … oder angenommen habe. Und das war’n dann wirklich auch Zeiten, wo es nich einfach nur einzelne Wörter war’n, sondern ganze Sätze. Also, zum Beispiel „Berg rauf und runter reiten“ war da „Reit’ma nuf und wieder nunner“ und so. Also, dieses runde Sprechen. Und für mich war das dann auch ein bisschen nervig, dass ich das so aufgenommen hab. Als ich dann wieder zu Hause war, ist einem das aber erst so aufgefallen. Und es erinnert mich aber total an diese Ferienzeit und daher finde ich das auch sehr schön. Fand es aber auch immer sehr witzig. Also, ich finde, das hat Charakter und wenn ich jemanden so sprechen höre, muss ich da an diese Familie, der an dieser Reiterhof gehört, denken. Und ich fühle mich da irgendwie so ein bisschen zurückversetzt. Deswegen, an sich typisch für mein Sächsisch sind jetzt wirklich nur so kleinere Wörter wie „Nu“. Oder manchmal erwische ich mich dabei, wenn andere auch sächseln, dass ich dann da mehr reinrutsche. Und dann: „Ja, müssen wir mal guggen“. Also, dieses „guggen“ kommt da so ein bisschen mit rüber. Ansonsten Begriffe wie „Muzel“ nehme ich eigentlich … weiß gar nicht, wie das sonst heißt, wahrscheinlich „Fussel“. Deswegen denke ich, werde ich schon ein paar sächsische Wörter oder Dialekt beeinflusste Wörter mit sagen. Es wird mir wahrscheinlich gar nicht so auffallen. Ich würde auch nicht sagen, das ist sehr groß sächsel. Ich muss sagen, auf Arbeit versuche ich wenig zu sächseln. Aber generell hängt der Sprachgebrauch sehr mit meinem Umfeld zusammen. Also, wie gesagt, wenn ich mit meiner Großmutter spreche, da rutscht das viel wesentlicher und viel mehr raus, als wenn ich jetzt auf Arbeit bin. Oder, also mein Freund sächselt auch sehr und da fällt mir das auch auf, dass ich diesen Klangton in der Zeit übernehme. Also dieses sehr runde Sprechen und die runde Aussprache. Ich würde sagen, das hat sich nich sehr verändert. Mir wurde schon immer gesagt, dass ich eher Hochdeutsch spreche. Es war immer ganz interessant auf den Chor-Tourneen quer durch Deutschland wurde erstmal gefragt wo ich herkomme. Und als ich da meinte „aus Dresden“, wurden die Augen immer erst mal groß, wo ich da ein bisschen traurig war. Weil ich find das eigentlich nicht schlimm, wenn man hört, woher man ist. Und wie gesagt, für mich ist das ein bisschen ein Heimatgefühl. Deswegen habe ich das manchmal ein bisschen verwirrt oder verunsichert vielleicht. Ich versuche jetzt aber nicht unbedingt meine Sprachgebrauch zu verändern, nur um da irgendwie mehr reinzupassen, wie auch immer. Ich will die sprachlichen Besonderheiten auf jeden Fall beibehalten, auch wenn ich jetzt wahrscheinlich kein absolutes Paradebeispiel dafür bin. Aber so Wörter wie „Nu“ oder „Muzel“, was ich jetzt schon eben angesprochen hatte, werde ich auf jeden Fall weiter behalten, weil die einfach in meinem Sprachgebrauch so drin sind. Also das, was ich sächsel, das kenne ich nicht groß anders. Und ich würde es einfach weitergeben und weiterverbreiten, weil ich auch die unterschiedlichen Dialekte sehr schön finde und ich nicht möchte, dass das da irgendwie ausstirbt. Und wie gesagt, vieles hängt da mit meiner Oma zusammen oder mit meinen Großeltern. Und das möchte ich einfach nicht, dass das verloren geht.

Elisabeth Joshua