Ich bin mit sächsisch aufgewachsen und es gibt schon gewisse Wörter beziehungsweise Ausdrücke, die ich sehr gerne sage und das vor allem auch im Gegenwart anderer sächsischer Leute. Was mir aber auch aufgefallen ist, ist, dass es einfach gewisse Art und Weisen zu sprechen, die eher typisch aus Sachsen sind, gibt, die ich halt nutze. Zum Beispiel „Ich mache mal los.“ oder „Ich mache mal zu Netto.“ oder keine Ahnung. Und das ist mir zum Beispiel aufgefallen, als ich in Berlin an meiner Hochschule war, dass ich gesagt habe „Ich mache jetzt mal los“ und mich dann meine Tutorin gefragt hat, ob ich aus Sachsen komme. Und da wurde mir zum Beispiel auch erst bewusst, dass dieses „Ich mach mal los.“ oder „machen“ anstelle von „gehen“ eine sehr typische sächsische Sache ist. Und mir das glaube ich gar nicht so bewusst war. Und da habe ich diese Story halt auch Freunden geteilt und die haben mir dann auch gesagt, dass als sie in einem anderen Bundesland waren, ihnen es aufgefallen ist, dass Leute das auch merken. Für andere macht das anscheinend keinen Sinn.
Also ich spreche vor allem Dialekt, wenn ich wieder in der Heimat bin oder wenn ich einfach wieder auf sächsische Freunde oder Bekannte stoße. Und das hat einfach auch den Grund, dass ich es möchte oder ich auch mal wieder den Grund dazu habe. Und es macht auch einfach Spaß. Also das, was man gewohnt ist oder das, mit dem man aufgewachsen ist, einfach wieder nutzen zu können oder zu merken, ja stimmt, ich kann das ja oder ich bin es ja eigentlich gewöhnt, das zu hören. Und zum Beispiel gestern witzigerweise habe ich jemanden in der Straßenbahn sehr stark sächseln hörn und hatte so dieses starke Bedürfnis halt auch sächseln zu wollen, weil ich in Berlin gar nicht dazu komme.
Wenn ich mit Kunden oder Klienten am Telefon bin, rede ich Hochdeutsch. Und auch generell, ich kenne ja halt schon dazu, mich meiner Umgebung anzupassen. Das heißt, wenn ich jetzt natürlich mit Leuten unterwegs bin, die aus anderen deutschen Bundesländern kommen, dann rede ich halt Hochdeutsch.
Was zu dieser Veränderung geführt hat: Ich glaube einfach allgemein dadurch, dass ich halt bilingual mit Vietnamesisch und Deutsch aufgewachsen bin, habe ich gar nicht so stark die Tendenz zu sächseln. Und zu Hause wird ja nicht Deutsch geredet, da wird Vietnamesisch geredet. Und ich denke mal dazu hat es auch geführt, dass ich Dialekt wahrnehme, Dialekt ansatzweise auch sprechen kann, aber es nicht gerade in meinem allgemeinen Sprachgebrauch genutzt wird. Und ja, deswegen hatte ich das schon immer so.
In dem Sinne würde ich das glaube ich nur weitergeben an Leute, die es auch wirklich interessiert. Wenn wir zu der Thematik kommen, über Dialekte zu reden und miteinander auszutauschen, was eigentlich unsere Dialekte ausmacht und wir dann eigentlich auch so Wörter oder Redewendungen miteinander austauschen. Also ich hatte das zum Beispiel auch schon hier in Berlin, dass mir etwas auf Berlinerisch dann erklärt wurde oder mir erklärt wurde, was es bedeutet. Und dann habe ich zum Beispiel im Gegenzug etwas dann auf Sächsisch zum Beispiel erklärt und ein Beispiel gebracht. Und ich denke, an diesen Stellen finde ich es ... machte Sinn. Aber ich weiß nicht inwiefern ich es der nächsten Generation weitergeben kann oder ob ich die richtige Person bin, weil ich einfach auch nicht so stark sächsel und mich auch noch nicht so stark damit beschäftigt habe.