Ich bin in Sachsen mit dem sächsischen Dialekt aufgewachsen. In meiner Familie haben eigentlich alle keinen starken, aber schon einen bemerkbaren sächsischen Dialekt. Ich habe eigentlich schon immer auf Hochdeutsch gesprochen. Mir wurde auch mal gesagt, dass ich sprachlich gar nicht so richtig in die Familie reinpasse. Das habe ich als Kompliment genommen, weil ich find’ den sächsischen Dialekt schlimm, um das kurz zu sagen.
Meine Sprachweise hat sich in der Hinsicht auch nicht verändert. Ich wohne inzwischen auch gar nicht mehr in Sachsen. Ich wohne seit ein paar Jahren in Österreich, habe mich allerdings hier schon an den lokalen Dialekt angepasst in Form von Redewendungen, bestimmten Begriffen, Bezeichnungen, alltäglichen Phrasen. Vereinzelt sogar auch die Aussprache von Wörtern, was ich interessant finde, weil ich erst seit ein paar Jahren hier wohne und in meiner ganzen Kindheit mich nicht an den sächsischen Dialekt angepasst habe.
Als Kind, denke ich, fand ich einfach, dass sich der Dialekt überhaupt nicht schön anhört. Wenn ich jetzt als Erwachsene darüber reflektiere, hat es schon eher politische Konnotationen, in der Hinsicht, dass Sachsen mit der AfD assoziiert wird.
Beispielsweise habe ich nach dem Abitur als Au-Pair im Ausland gearbeitet und meine Gastmutter war Deutsche, sie kam ursprünglich aus Hamburg und sie meinte, sie hatte sich am Anfang Gedanken gemacht, weil ich aus Sachsen komme und ich dachte, wegen der Aussprache. Vielleicht sorgte sich, dass ich einen starken Dialekt habe, den sie nicht versteht, aber sie meinte dann, dass ihre Sorge eher in Bezug auf meine potenzielle politische Einstellung war und das hat meine Beziehung zu dem sächsischen Dialekt auch geprägt.
Wenn ich hier in Österreich gefragt werde, wo in Deutschland ich herkomme, weil ich höre mich natürlich nicht wie eine Österreicherin an. Wenn ich meinen Mund öffne, oute ich mich sofort als Deutsche, dann ist es mir auch oft peinlich zu sagen, dass ich aus Dresden komme. Vielleicht nicht peinlich, aber ich habe Sorgen, welche Annahmen die Menschen dann eventuell über meine potenzielle politische Einstellung haben basierend auf der Tatsache, dass ich aus Sachsen komme. Aber ich freue mich zumindest, dass ich gefragt werde, wo in Deutschland ich herkomme, weil das bedeutet, dass ich in den Ohren anderer Menschen auch keinen sächsischen Dialekt habe, den ich eventuell selber gar nicht höre—hoffentlich.
Also ich denke, die politische Lage in Sachsen, also die Einstellung der Menschen, deren Wahlverhalten und resultierende politische Entscheidungen sind dann wahrscheinlich der größte Grund für meine Abneigung gegenüber dem Sächsischen. Weshalb ich den Dialekt als Kind nicht übernommen habe, als ich davon umgeben war, das kann ich mir allerdings nicht erklären. Vielleicht lag es an dem Mainstream Hochdeutsch in Büchern, Filmen und Nachrichten. Das wäre eine Erklärung.